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Griechische Sitten und Bräuche in der Osterzeit

Das höchste und schönste Kirchenfest im Orthodoxen Griechenland ist Ostern.
Die Woche vor Ostersonntag, die Karwoche, wird auf griechisch "die Große Woche" genannt.
Die Fastenzeit beginnt zwar 40 Tage vor Ostern, die Mehrheit der Gläubigen jedoch fastet traditionell während der Karwoche.
In dieser Woche besuchen die Menschen Abend für Abend den Gottesdienst in den Kirchen und fiebern dem großen Ereignis, der Auferstehung Jesu Christi, entgegen.

"Die Große Woche" ist eine Woche der Trauer.
Musik, Theater und Unterhaltung sind verpönt.
Die üblichen häuslichen Tätigkeiten, wie Reparaturen am Haus oder in der Wohnung, Nähen und in früherer Zeit Spinnen, ruhen.
Erlaubt sind nur der Hausputz sowie die Reinigung und Pflege der Hausumgebung, wie z.B. das Kalken der Wegeränder oder der Treppenstufen in ländlichen Gebieten.

Die eigentlichen Osterbräuche beginnen aber am Donnerstag vor Ostern, am Gründonnerstag, wenn die Essvorbereitungen für das Osterfest intensiv anlaufen: backen, Eier färben, das Lamm oder eine kleine Ziege für den Ostersonntag einkaufen, die Holzkohle besorgen, neue Kleidung für Kinder und Erwachsene in der Familie einkaufen und vieles mehr.

Es ist Brauch, die traditionsreichen griechischen Osterbrote, die Tsurekia, zu backen. Ein rotgefärbtes Ei schmückt die Mitte der Hefezöpfe. Auch anderes süße Gebäck ( z.B. Osterkringel ) wird in zahlreichen Variationen gebacken.

Am Gründonnerstag steht im Mittelpunkt der Vorbereitungen jedoch das Färben der Eier. Ein Osterfest ohne rot gefärbte Eier ist nicht denkbar! Deswegen wird der Gründonnerstag auch "Roter Donnerstag" genannt. Das Ei, das potentielles Leben umschließt, symbolisiert die Lebenskraft, die auf Menschen, Tiere und Pflanzen übertragen wird. Diesen Sinn haben die Ostereier.

Ein Beispiel aus der Vergangenheit, aus der Stadt Sinope in Pontos: Die Gläubigen dort schätzten hoch die durch eine Liturgie gesegneten Ostereier. Jeder Haushalt färbte so viele Eier, wie er Mitglieder in der Familie hatte und ein zusätzliches Ei für die Panagia, die Mutter Jesu Christi. Die Eier wurden in die Kirche gebracht und dort bis Samstag Mitternacht belassen, bis der Patir die Auferstehung Jesu Christi verkündete. Anschließend wurden die Eier gegeneinander gestoßen und gegessen. Die Schalen wurden gesammelt und mit nach Hause genommen, um sie im Wurzelbbereich der Bäume oder im Garten einzugraben und dadurch eine gute Ernte zu erzielen.

Warum die Eier rot gefärbt werden, ist nicht bekannt. Die einen sagen, das Rot solle an das Blut Jesu Christi erinnern, das am Karfreitag vergossen wurde, für andere ist die Farbe rot Ausdruck der Freude über das glückliche Ereignis der Auferstehung Jesu Christi. Es ist allgemeiner Glaube, dass die Seelen der Toten am Gründonnerstag, wenn Jesus Christus in den Hades absteigt, befreit werden. Die Gläubigen besuchen die Gräber ihrer verstorbenen Verwandten und legen Brot und andere Esswaren darauf.

In der Nacht zum Karfreitag breitet sich tiefe Trauer aus. Der Karfreitag ist ein Tag der Ruhe und des Fastens. Es sieht immer so aus, als ob auch der Himmel trauert, weil an diesem Tag das Wetter meistens regnerisch und der Himmel bedeckt sind. Gegen Mittag wird die Abbildung des Körpers Jesu Christi vom Kreuz abgesetzt und symbolisch zu Grabe getragen. Das Grab wird mit Frühlingsblumen prächtig geschmückt (Epitaphios). Die Menschen strömen in die Kirche, um vor dem Epitaphios zu knien und zu beten. Abends wird der Epitaphios in einer eindrucksvollen Kerzenprozession, begleitet von Trauermusik, durch den jeweiligen Ort getragen, gefolgt von den Priestern und allen Gläubigen. Ab und zu hält die Prozession an und die Priester tragen Psalmen vor.

Am Karsamstag ist die Volksseele noch voller Trauer vom Freitag Abend. Aber es keimt bald wieder Hoffnung, die nach Beginn der Abendliturgie immer freudiger wird. Die Kirchen tragen keinen Trauerschmuck mehr, wie die Tage zuvor. Rosmarinzweige werden auf dem Boden zerstreut, um das bevorstehende fröhliche Ereignis der Auferstehung Jesu Christi voranzukündigen. Die Menschen kommen in festlicher Kleidung in der Kirche. Vor Beginn der Liturgie zur Auferstehung wird an diesem Abend die spärliche Kirchenbeleuchtung ganz ausgeschaltet. Plötzlich erscheint der Patir am Eingang zum Allerheiligsten mit einer angezündeten Kerze in der Hand und singt den Psalm "kommet und nehmet das Licht". Die Anwesenden zünden mit diesem Licht ihre Kerzen an und tragen es weiter zu den übrigen Kirchgängern. Wenn der Patir beim Vorlesen des Evangeliums den Satz " ..und mächtiges Erdbeben geschah", ausspricht, fangen die Kirchenbesucher, die sich im Hof aufhalten, an, Feuerwerkkörper anzuzünden, um die Auferstehung zu feiern. Die Glocken ertönen wieder, die Menschen umarmen und beglückwünschen sich. Die Auferstehung Jesu Christi wird als Zeichen der Liebe gedeutet, und kommt durch Umarmungen und den Kuss der Liebe unter Verwandten und Freunden zum Ausdruck. Man stößt die rotgefärbten Eier aneinander und verkündet: Christus ist auferstanden! Der andere Gläubige antwortet feststellend: Wahrhaftig er ist auferstanden!

Auf dem Nachhauseweg bemühen sich die Kirchgänger, das Kerzenlicht an zu halten, um damit die Öllampe vor dem Ikonenschrank anzünden zu können. Die traditionellen Ostergerichte sind schon nachmittags vorbereitet, so dass die Familie beim gedeckten Tisch Platz nehmen kann. Es ist Tradition nach der mitternächtlichen Osterliturgie, also in den ersten Stunden des Sonntags, die Osterlammsuppe (Magiritsa) zu essen, die aus den Innereien des Lammes zubereitet wird, das am Sonntag gegrillt wird. Nach der langen Fastenzeit braucht der Magen der Menschen ein bekömmliches Gericht, damit Ihnen am nächsten Tag das gegrillte Lamm gut bekommen wird.

Am Ostersonntag muss man beizeiten anfangen, das Osterlamm am Spieß zu grillen, da je nach Größe des Tieres, eine Grillzeit von mehreren Stunden erforderlich ist, bis das Lamm gar wird. Man sagt: chronia polla kai tou chronou, d.h. mögen alle lang leben, um nächstes Jahr dasselbe wieder zu erleben.

E. Graßmann-Gratsia





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Zuletzt aktualisiert 04/2010
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